Damit wir uns nicht verlieren: Briefwechsel 1937-1943


 
Kriegs-Zeitgeschichte!
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(TOP 1000 REZENSENT)    Rezension bezieht sich auf: Damit wir uns nicht verlieren: Briefwechsel 1937-1943 (Broschiert) Sophie Scholl und Fritz Hartnagel schreiben sich zwischen 1937-1943 Briefe. Am Anfang eher "kindlich" (Sophie war 16), später dann gefühlvoll, verliebt, anklagend, verzeihend, liebend, bettelnd, vermissend, verändernd...
Der berührendste ist sicherlich Hartnagels letzter Brief, als Sophie schon tot war und er davon nichts wusste (die Blütenblätter sind herausgefallen, die Sonne schien durch mein Fenster...)
Persönlich wundert es mich, dass so viele Briefe durch die Zensur kamen, da sie wirklich teilweise sehr kriegsgegnerisch, politisch und anklagend waren. Einige enthalten wirklich detailgetreue Beschreibungen. Scholls Weg war von Anfang an "vorprogrammiert", da die Scholls schon zu Kriegsbeginn unter "Beobachtung" standen. Vieles wollte oder konnte Sophie an Fritz nicht verstehen und klagt ihn in zahlreichen Briefen an (z.B. schreibt sie einen Brief nach dem anderen und wirft ihm vor, dass er nicht zurückschreibt. Er ist an der Front, tagelang unterwegs, ständig woanders und kann oft nicht zurückschreiben; viele Briefe erreichen ihn nicht. Sophie stellt sich allerdings vor, dass er unter den Bäumen liegt und ihr schreibt...). Mit zunehmenden Alter werden die Briefe von Sophie immer zynischer, härter, fordernder. Hartnagel kann ihre Forderungen nicht mehr erfüllen und merkt, dass er gar nicht mehr "er selbst" ist und vieles in den Briefen nicht mehr so schreibt, wie er es gerne tun würde. Sophie ändert sich noch mehr, als sie nach München geht und sich dort immer mehr und mehr der Widerstandsbekämpfung hingibt. Der Anfang vom Ende. Vom Bruder -Hans Scholl - erfährt man relativ wenig, von Christoph Probst gar nichts.
Hartnagel selbst hat den Krieg überlebt und Elisabeth Scholl geheiratet und 5 Kinder mit ihr bekommen; Thomas Hartnagel veröffentlicht dieses Buch. Hartnagel selbst glaubt, dass es eine Ehe zwischen Sophie Scholl und ihm nie gegeben hätte (ich persönlich bin auch der Meinung). Sophie Scholl war extrem emanzipiert, freiheitsliebend und so gar nicht an Heim und Herd gebunden; was sich aber Hartnagel so lange und so dringend nach den schweren Jahren gewünscht hat. Er machte eine ordentliche Karriere und kämpfte zeitlebens gegen den Nationalsozialismus; er starb 2004.
Fazit: Ein unglaubliches zeitgeschichtliches Dokument, welches jeder gelesen haben soll, der sich nur ein bisschen mit dem 2. Weltkrieg beschäftigt. Traurig, berührend, verzweifelt, heftig!
Lesenswert!
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 20. Juli 2011
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